Mobilität, Migration und räumliche Neuordnung

Verantwortlich : Denis Eckert , Nikola Tietze , Emeline Fourment

Mitarbeit : Lucie Lamy

Der  Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Transformation von Räumen, der Evolution von Mobilitäten und Prozessen der Migration. Aus interdisziplinärer Perspektive adressieren wir die temporalen, sozialen sowie räumlichen Dimensionen dieser Veränderungen.
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Die ForscherInnen des Schwerpunkts „Mobilität, Migration und räumliche Neuordnung in Europa“ befassen sich mit Transformationen und Neukonfigurierungen des europäischen Raums, anhand sich wandelnder institutioneller Rahmenbedingungen, Grenzen oder Individuen. Der Schwerpunkt baut auf die Errungenschaften einer langen Forschungserfahrung am Centre Marc Bloch auf und vertieft das Thema in neuer Perspektive. Eine Besonderheit des Schwerpunkts ist sein empirischer Ansatz, der Wechselwirkungen zwischen spezifischen Forschungsterrains, Analysekategorien und der Konstruktion verschiedener theoretischer Reflexionsrahmen in den Blick nimmt. Ein anderes wichtiges Merkmal ist die Konzentration auf den europäischen Raum und insbesondere auf Frankreich, Deutschland und Osteuropa. Des Weiteren bilden Stadt, Viertel, Region und Grenzräume wichtige Verankerungspunkte für die stark vom spatial turn beeinflussten Recherchen. Europa wird als Sozialraum verstanden, dessen Kohärenz es zu hinterfragen gilt. Dabei bildet der deutsch-französische Vergleich einen Fokus der Forschung. So wird die These von der europäischen Konvergenz und umgekehrt jene von der hartnäckigen Differenz der sozialen Prozesse zweier doch benachbarten und eng verbundenen Ländern fortwährend auf den Prüfstand gestellt. Ein weiterer Fokus des Schwerpunkts liegt auf Osteuropa, seinen Regionalisierungsprozessen, Migrations- und Mobilitätsbewegungen.

Die vergleichenden Forschungsarbeiten über die räumlich und institutionell wichtigen europäischen Gesellschaften Deutschlands und Frankreichs stellen immer auch deutsche und französische Wissenschaftstraditionen und Denkansätze gegenüber, wie das Begriffspaar Raum/Migration illustriert: auf der einen Seite ein Land, dessen Blick auf Migration aus dem ‚Globalen Süden‘ vom kolonialen Erbe, auf der anderen Seite von der Gastarbeiter-Politik geprägt ist, wobei ein jeweils unterschiedliches Staatsmodell – zentralistisch oder föderalistisch – zum Tragen kommt. Dies verdeutlicht die Bedeutung des historischen Kontexts für aktuelle Migrationsprozesse und für den Umgang mit Migration in den Gesellschaften der beiden Länder. Basierend auf den Ergebnissen des Projekts „Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa“, welches sich mit der Konstruktion und Ausbildung ‚kultureller Grenzen‘ in Europa befasste, liegt ein Forschungsschwerpunkt auf der Region Osteuropa. Vor dem Hintergrund der jüngsten Destabilisierungsprozesse im Osten, die den gesamten europäischen Raum unter Spannung setzen, drängt sich Osteuropa heute geradezu als Forschungsterrain auf.

Drei große Themenkomplexe werden bevorzugt beforscht: 

(1) Migration und Mobilität: Akteure und Praktiken: Die in den letzten Jahren stark angestiegene Mobilität und Migration über nationale Grenzen hinweg stellt eine der wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen dar. Mobilität wird als Zeichen sozio-ökonomischen Erfolgs gesehen. Allerdings leidet ein großer Teil der mobilen Menschen unter prekären Umständen, wie z.B. Geflüchtete. Somit ist Mobilität heute eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit. Die Frage ist, wie Mobilität in der Gesellschaft ‚verteilt‘ ist und welche Politik auf europäischem, nationalem und lokalem Niveau Mobilität unterstützt bzw. einschränkt.

(2) Sozialräumliche Differenzierung und Polarisierung in der Stadt: Mobilität und Migration führen zu einer weiteren sozialen Differenzierung unserer Gesellschaften. Gerade in Städten ist diese Polarisierung sichtbar, z.B. anhand ethnisch und sozial segregierter Quartiere. Durch steigende Mieten und der Privatisierung von sozialem Wohnungsbau wird es für ärmere Bevölkerungsgruppen immer schwerer, sich bezahlbaren Wohnraum sowie Zugang zu Ressourcen zu sichern. Zudem werden ethnische Minderheiten oft diskriminiert. Wir untersuchen, wie sich Veränderungen auf der Makroebene durch Migration und Mobilität in der Stadt widerspiegeln und welche Konsequenzen sich für verschiedene soziale Gruppen in der Stadt ergeben.

(3) Grenzen, Zirkulationen, Produktion von räumlicher Differenzierung in Europa: Hier werden Praktiken und Prozesse der Produktion von Grenzen, die Anfälligkeit räumlicher Differenzierung sowie die Legitimation dieser Differenzierung erforscht. Auf Grundlage der bestehenden Forschung zu Grenzräumen entstehen so neue Perspektiven auf die jüngsten Regionalisierungen Europas als dynamische Prozesse. In diesem Sinne bildet Osteuropa, das derzeit einen erneuten tiefgreifenden Wandel mit neuartigen Spannungen und essentialisierenden Diskursen erfährt, eines der wichtigsten Terrains des Teilbereichs.

Kollektive Projekte

An-Institut

© Centre Marc Bloch 2018 - Deutsch-Französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, Berlin

© Centre Marc Bloch 2018 - Deutsch-Französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, Berlin